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Bockbüchsflinte / Drilling

Typisch deutsche Jagdwaffe: Kombinierte Büchsen- und Flintenläufe. Ideal für die Drückjagd.

Veröffentlicht: · Aktualisiert: · Autor: GunMarket.ch Redaktion

JagdwaffeMerkel, Krieghoff, Blaser4 Min. Lesezeit

Technische Daten

Hersteller
Merkel, Krieghoff, Blaser
Baujahr
Traditionell
Kategorie
Jagdwaffe
Rechtsstatus CH
Frei erwerbbar (Kat. C)
Kaliber
12/707×65R9,3×74R

Geschichte & Entwicklung

Die Bockbüchsflinte (BBF) hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert, als europäische Büchsenmacher begannen, Flinten- und Büchsenläufe in einer einzigen Waffe zu kombinieren. Die Idee war pragmatisch: Ein Jäger auf der Niederwildjagd trifft sowohl auf Flugwild (Schrot) als auch auf Raubwild oder Rehwild (Kugel) — mit einer BBF ist er auf beides vorbereitet, ohne eine zweite Waffe tragen zu müssen.

Die BBF ist ein typisch mitteleuropäisches Konzept. In Nordamerika oder Grossbritannien ist sie praktisch unbekannt, während sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit über 150 Jahren zur Grundausstattung vieler Jäger gehört. Deutsche und österreichische Büchsenmacher wie Merkel, Krieghoff, Blaser, Sauer und Ferlach-Meisterbüchsenmacher haben die BBF zur Perfektion entwickelt. Der Drilling — eine Erweiterung mit drei Läufen — ist die konsequente Weiterentwicklung des BBF-Konzepts und gilt als die «typisch deutsche» Jagdwaffe schlechthin.

Technik & Konstruktion

Die BBF ist eine Kipplauf-Kombinationswaffe mit zwei übereinander liegenden Läufen: oben der glatte Flintenlauf (Schrot), unten der gezogene Büchsenlauf (Kugel). Der Jäger kann über einen Umschalter oder Schieber am Abzug wählen, welcher Lauf beim Betätigen des Abzugs gezündet wird. Bei Modellen mit zwei Abzügen (Doppelabzug) hat jeder Lauf seinen eigenen Abzug.

Die Verschlussverriegelung erfolgt typischerweise über einen Kersten-Verschluss (Doppelgreifer oben) oder einen Blitz-Verschluss. Die beiden Läufe sind verlötet oder verschraubt und werden als Laufbündel gemeinsam in die Basküle eingesetzt. Die Regulierung der Läufe — das exakte Zusammenschiessen beider Läufe auf einen Haltepunkt — ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben des Büchsenmachers und bestimmt massgeblich die Qualität und den Preis einer BBF.

Der Drilling erweitert das Konzept um einen dritten Lauf: Typischerweise zwei Flintenläufe nebeneinander (oben) und ein Büchsenlauf (unten). Die Steuerung der drei Läufe erfolgt über eine Kombinationsschaltung mit Schieber und Abzügen. Der Drilling ist technisch anspruchsvoller und schwerer als die BBF, bietet aber noch mehr Vielseitigkeit.

Varianten & Modelle

  • Bockbüchsflinte (BBF): Zwei Läufe übereinander — ein Flintenlauf und ein Büchsenlauf. Das Grundmodell der Kombinationswaffen. Leicht und handlich.
  • Drilling: Drei Läufe — zwei Flintenläufe oben, ein Büchsenlauf unten. Die klassische deutsche Universaljagdwaffe. Schwerer als die BBF, aber vielseitiger.
  • Vierling: Vier Läufe — typischerweise zwei Flinten- und zwei Büchsenläufe. Extrem selten und teuer. Ein Meisterstück der Büchsenmacherkunst.
  • Bergstutzen: Zwei Büchsenläufe übereinander, ohne Flintenlauf. Für die Bergjagd, wo zwei verschiedene Kaliber (z.B. ein leichtes und ein schweres) gewünscht sind.
  • Bockdrilling: Drei Läufe übereinander statt nebeneinander — eine seltene, besonders kompakte Variante.

Führende Hersteller sind Merkel (Suhl), Krieghoff (Ulm), Blaser (Isny), Sauer (Eckernförde) und diverse Ferlacher Meisterbüchsenmacher aus Österreich.

Kaliber & Ballistik

Die Kaliberwahl bei einer BBF ist eine der wichtigsten Entscheidungen. Der Flintenlauf ist typischerweise in 12/76 (Standard) oder 20/76 (leichtere BBF) ausgeführt. Der Büchsenlauf kann in einer Vielzahl von Kalibern bestellt werden:

  • .222 Remington: Für Fuchs und kleines Raubwild. Geringer Rückstoss, flache Flugbahn.
  • 5,6×52R (.22 Savage): Klassisches Niederwildkaliber mit Randbefestigungshülse, ideal für Kipplaufwaffen.
  • 7×57R / 7×65R: Universelle Rehwildkaliber mit Rand. In der Schweiz und Deutschland sehr beliebt.
  • .30-06 Springfield: Allround-Kaliber für alle europäischen Wildarten bis Rotwild.
  • 9,3×74R: Das klassische Drückjagdkaliber für schweres Wild (Wildschwein, Rotwild) in Kipplaufwaffen.

Das «R» bei Kaliberbezeichnungen steht für «Rand» — eine Randpatrone, die speziell für Kipplaufwaffen konstruiert ist und ein zuverlässiges Ausziehen der Hülse gewährleistet.

Schweizer Markt & Preisentwicklung

Kombinationswaffen haben in der Schweiz eine treue Anhängerschaft, besonders bei Niederwild- und Drückjagd-Jägern:

  • Merkel BBF B3: CHF 3'500 – 5'000
  • Blaser BBF 97: CHF 4'500 – 7'000
  • Krieghoff BBF Teck: CHF 6'000 – 10'000
  • Merkel Drilling 96K: CHF 5'000 – 8'000
  • Krieghoff Drilling Neptun: CHF 8'000 – 15'000
  • Ferlach-Meisterdrilling: CHF 15'000 – 50'000+

Gebrauchte BBF und Drillinge sind in der Schweiz gut erhältlich, da viele ältere Jäger auf modernere Systeme (Blaser R8, etc.) umsteigen. Eine gut erhaltene Merkel-BBF aus den 1980er-Jahren ist für CHF 1'500 – 3'000 zu finden. Ältere Drillinge von Sauer oder Simson aus der Vorkriegszeit haben Sammlerwert und erzielen entsprechende Preise. Waffenerwerbsschein (WES) ist erforderlich.

Pflege, Wartung & Zubehör

  • Laufpflege: Beide Läufe nach jedem Einsatz reinigen — der Büchsenlauf mit Messingbürste und Laufreiniger, der Flintenlauf mit Filzpfropfen und Flintenreiniger. Unterschiedliche Kaliber erfordern unterschiedliches Reinigungszubehör.
  • Verschluss: Verriegelungsflächen regelmässig prüfen und leicht fetten. Den Scharnierstift gelegentlich ölen.
  • Regulierung: Die Zusammenschuss-Regulierung der Läufe regelmässig auf der Schiessanlage überprüfen. Temperaturschwankungen und Alterung können die Treffpunktlage beeinflussen.
  • Holzschaft: Hochwertiges Schaftöl verwenden. Den Schaft vor extremer Feuchtigkeit und Hitze schützen.

Empfehlenswertes Zubehör: Ein gutes Zielfernrohr mit Schnellspannmontage (CHF 500 – 1'500), Einsteckläufe für zusätzliche Kaliber (CHF 300 – 800), und ein robuster Jagdrucksack mit Waffenfach.

Fazit & Kaufempfehlung

Die Bockbüchsflinte ist eine der vielseitigsten Jagdwaffen überhaupt und in der Schweiz bei der Niederwildjagd kaum zu ersetzen. Wer auf Fasanen und Hasen pirscht und gleichzeitig auf den Fuchs vorbereitet sein will, braucht eine BBF. Der Drilling erweitert diese Vielseitigkeit noch weiter und ist das ultimative «Ein-Waffe-für-alles»-Konzept.

Für Einsteiger empfiehlt sich eine Merkel BBF im mittleren Preissegment (CHF 3'500 – 5'000). Wer das Beste will, greift zum Krieghoff oder lässt sich in Ferlach eine Massanfertigung bauen. Eine gut gepflegte BBF oder ein Drilling ist eine Anschaffung fürs Leben — und oft ein Erbstück, das über Generationen weitergegeben wird.

Kommentare & Erfahrungen

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