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Steyr MPi 69

Österreichische Maschinenpistole aus Steyr-Daimler-Puch (1969–1990), Bundesheer-Standardwaffe. Im Schweizer Markt als Halbauto-Variante (SPP) für Sportschützen mit ABK relevant.

Veröffentlicht: · Aktualisiert: · Autor: GunMarket.ch Redaktion

PistoleSteyr-Daimler-Puch (Steyr, Österreich)3 Min. Lesezeit

Wichtiger rechtlicher Hinweis

Dieses Modell fällt unter Kategorie A des Schweizer Waffengesetzes und benötigt eine kantonale Ausnahmebewilligung (ABK). Ein gewöhnlicher Waffenerwerbsschein (WES) reicht nicht aus. Informier dich vor dem Kauf bei deiner kantonalen Waffenstelle.

Technische Daten

Hersteller
Steyr-Daimler-Puch (Steyr, Österreich)
Baujahr
1969–1990
Kategorie
Pistole
Rechtsstatus CH
Ausnahmebewilligung (Kat. A)
Kaliber
9×19mm Luger9mm Para

Die Steyr MPi 69 ist eine österreichische Maschinenpistole im Kaliber 9×19mm, entwickelt von Steyr-Daimler-Puch und 1969 als Maschinenpistole 1969 (MPi 69) vom österreichischen Bundesheer als Standardwaffe übernommen. Sie war von 1969 bis in die 1990er Jahre die wichtigste Maschinenpistole des Bundesheeres, bevor sie zunehmend durch die 9mm-Variante des Steyr AUG abgelöst wurde.

Geschichte

Steyr-Daimler-Puch entwickelte die MPi 69 unter der Leitung des Ingenieurs Moser mit besonderem Fokus auf Fertigungskosten und Funktionssicherheit. Sie war eine der ersten Maschinenpistolen weltweit mit signifikantem Polymer-Anteil — der Unterempfänger (Lower) wurde aus glasfaser-verstärktem Nylon gefertigt, während der Oberempfänger (Upper) aus gestanztem Stahlblech bestand. Diese Kombination machte die Waffe leicht, korrosionsresistent und kostengünstig in der Massenproduktion.

Auf den ersten Blick erinnert die MPi 69 an die israelische Uzi — beide nutzen das Konzept des "Telescoping Bolt" (umlaufender Verschluss um das Patronenlager), wodurch eine kurze Gesamtlänge bei langem Lauf möglich ist. Die MPi 81, eine späte Variante, unterscheidet sich vor allem durch einen konventionellen Spannschieber statt des charakteristischen Zugbügels am Tragriemen der MPi 69.

Technische Spezifikationen

Kaliber: 9×19mm Luger / Para / NATO. Gewicht ohne Munition: 3,13 kg. Gesamtlänge: 465mm (Schaft eingeklappt) / 670mm (Schaft ausgeklappt). Lauflänge: 260mm. Magazinkapazität: 25 oder 32 Schuss. Theoretische Feuerrate: 550 Schuss pro Minute. Mündungsgeschwindigkeit: ~390 m/s.

Eine konstruktive Besonderheit ist der Spannmechanismus über den Tragriemen: Der Schütze konnte die Waffe durch Ziehen am Tragriemen spannen, ohne mit der Schiesshand vom Pistolengriff zu lassen. Diese Lösung war innovativ, aber später kritisiert (langsamer als ein konventioneller Spannschieber, Tragriemen-Verschleiss).

Zivile Halbauto-Varianten

Für den zivilen Markt produzierte Steyr die Steyr SPP (Special Purpose Pistol) und die TMP (Tactical Machine Pistol) — halbautomatische Pistolen-Varianten der MPi 69/81 ohne Anschlagschaft, mit verkürztem Lauf. Diese Varianten waren ab den 1990ern in den USA und Europa als zivile Sportwaffen verfügbar.

Schweizer Rechtsstatus

Sowohl die vollautomatische Original-MPi 69 als auch die zivilen Halbauto-Varianten (SPP/TMP) fallen in der Schweiz unter Kategorie A des Waffengesetzes:

  • Vollauto Original MPi 69: Vollautomat → grundsätzlich verboten, Erwerb nur mit kantonaler ABK für Sammler oder Sportschützen mit Spezialbewilligung.
  • Halbauto SPP/TMP: Halbauto-Faustfeuerwaffe mit Magazin >20 Schuss (Standardmagazine 25/32) → Kategorie A, ABK erforderlich.

Ein gewöhnlicher Waffenerwerbsschein (WES) reicht in keinem Fall aus. Für die ABK braucht es Sportschützen-Mitgliedschaft oder Sammler-Begründung, Zuverlässigkeitsprüfung beim kantonalen Waffenbüro.

Preise im Schweizer Markt 2026

Originale MPi 69 aus Bundesheer-Beständen sind sehr selten am Schweizer Markt — die meisten wurden bei der Aussonderung in Österreich verschrottet. Sammlerstücke in gutem Zustand mit ABK erzielen CHF 3'500 bis 6'000. Steyr SPP halbauto-Varianten werden für CHF 2'500 bis 4'000 gehandelt, je nach Zustand und Originalzubehör. Die Steyr TMP (mit Schalldämpfer-Adapter) ist die seltenste Variante und erzielt CHF 4'000 bis 8'000.

Worauf achten beim Kauf

Beim Kauf einer MPi 69 oder Variante: Vollständigkeit der originalen Steyr-Stempelung am Receiver prüfen, Funktion des Spannmechanismus testen, Magazinhalter auf Verschleiss prüfen. Die Polymer-Komponenten können nach Jahrzehnten Sprödbruch zeigen — insbesondere am Unterempfänger und Magazinschacht. Halbauto-Umbauten müssen zertifizierte SPP/TMP-Varianten sein; ein illegal aus Vollauto umgebautes Stück ist in der Schweiz wertlos und rechtlich problematisch.

Fazit

Die Steyr MPi 69 ist ein technikgeschichtlich wichtiges Stück — eine der ersten Maschinenpistolen mit Polymer-Konstruktion und einer charakteristischen Spann-Lösung über den Tragriemen. Für Sammler österreichischer Militaria oder MP-Spezialisten interessant. Im Schweizer Schiess-Alltag wegen ABK-Pflicht und seltenem Angebot ein Nischen-Modell — eher ein bewusst gewählter Sammler-Erwerb als ein praktischer Gebrauchs-Kauf.

Kommentare & Erfahrungen

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