Die Ruger LCP ist die Pistole, die man vergisst, dass man sie dabeihat. Was sie besonders macht, ist ihre extreme Kompaktheit und ihr minimales Gewicht. Mit nur 272 Gramm leer und einer Gesamtlänge von 131 Millimetern ist sie so klein und leicht, dass sie in einer Hosentasche oder einer Jackentasche verschwindet, ohne aufzufallen oder zu stören. Diese Eigenschaft hat die LCP zur meistverkauften Taschenpistole der Welt gemacht, mit über drei Millionen verkauften Exemplaren seit 2008. Sie ist keine Waffe für den Schiessstand oder den Wettkampf, sondern ein reines Zweckgerät, das für einen einzigen Einsatzzweck optimiert wurde: immer dabei zu sein, wenn es darauf ankommt.
Die Geschichte der LCP beginnt mit einem Konkurrenzprodukt: der Kel-Tec P-3AT, die ab 2003 als erste ultraleichte .380-ACP-Taschenpistole den amerikanischen Markt eroberte. Kel-Tec, ein kleiner Hersteller aus Florida, konnte die enorme Nachfrage nicht befriedigen, und Sturm, Ruger and Company aus Southport, Connecticut, sah eine Chance. Die 2008 vorgestellte LCP, deren Kürzel für Lightweight Compact Pistol steht, war deutlich von der P-3AT inspiriert, bot aber eine bessere Verarbeitungsqualität, eine zuverlässigere Funktion und den starken Rückhalt des Ruger-Kundendienstes. Die LCP wurde sofort zum Bestseller und dominierte das Segment der Taschenpistolen für fast ein Jahrzehnt. 2016 stellte Ruger die LCP II vor, die wesentliche Verbesserungen brachte: einen deutlich besseren Abzug mit kürzerem Reset, eine sichtbare Visierung anstelle der rudimentären Kimme des Originals und einen Schlittenfanghebel, der beim Original fehlte. Der grösste Sprung kam 2021 mit der LCP MAX, die ein Doppelreihenmagazin mit 10 Schuss in der praktisch gleichen Baugrösse unterbrachte und damit die Kapazität gegenüber dem Original fast verdoppelte. Parallel dazu brachte Ruger eine LCP II im Kaliber .22 LR heraus, die als günstige Trainingsversion dient.
Die technischen Daten der LCP II im Detail: Das Kaliber ist .380 ACP, also 9mm kurz, ein Kaliber, das sich am unteren Rand dessen bewegt, was für die Selbstverteidigung als ausreichend angesehen wird. Das System ist ein Kurzhub-Rückstosslader mit Browning-Kipplauf und innenliegendem Hahn. Das Magazin fasst 6 Schuss, bei der LCP MAX sind es 10 Schuss aus einem Doppelreihenmagazin. Der Lauf misst 70 Millimeter, die Gesamtlänge beträgt 131 Millimeter, und das Gewicht liegt bei nur 272 Gramm leer. Die Breite von lediglich 20 Millimetern macht die LCP zu einer der flachsten Pistolen am Markt. Der Abzug ist ein langer, gleichmässiger Zug ohne separaten Sicherungshebel, der als integriertes Sicherheitsmerkmal dient. Der Rahmen besteht aus glasfaserverstärktem Nylon, der Schlitten aus einer gehärteten Leichtmetalllegierung. Die fest montierten Visierungen sind minimal und für instinktives Schiessen auf kurze Distanz ausgelegt.
In der Schweiz ist die Ruger LCP ein Nischenprodukt mit begrenzter Verbreitung. Das Konzept der ultrakompakten Taschenpistole für das verdeckte Tragen hat in der Schweiz weniger Relevanz als in den USA, da das verdeckte Führen einer Waffe in der Öffentlichkeit eine Waffentragbewilligung erfordert, die nur unter strengen Voraussetzungen erteilt wird. Dennoch findet die LCP auch in der Schweiz Käufer, sei es als Kuriosität, als Sammlerobjekt oder als kompakte Waffe für den Nachttisch. Auf dem Schiessstand ist die LCP eine Herausforderung: Der kurze Lauf, der leichte Rahmen und die minimalen Visierungen machen präzises Schiessen auf Distanz schwierig. Allerdings ist sie auf die typischen Selbstverteidigungsdistanzen von unter fünf Metern ausreichend präzise. Das Kaliber .380 ACP ist in der Schweiz weniger verbreitet als 9x19mm, aber Fabrikmunition ist über den Fachhandel ohne Weiteres erhältlich.
Die Preise auf dem Schweizer Gebrauchtmarkt im Jahr 2026 sind moderat, da die LCP kein Prestigeobjekt ist und die Nachfrage in der Schweiz überschaubar bleibt. Eine LCP oder LCP II in gutem Zustand wechselt den Besitzer für rund 300 bis 450 Franken. In sehr gutem Zustand sind 450 bis 600 Franken realistisch. Neuwertige Exemplare mit Originalbox und Beilagen können 600 bis 800 Franken kosten. Die LCP MAX liegt aufgrund ihrer höheren Kapazität tendenziell 50 bis 150 Franken über der LCP II. Im Schweizer Fachhandel, sofern die Waffe überhaupt geführt wird, liegt der Neupreis bei rund 500 bis 700 Franken für die LCP II und 600 bis 800 Franken für die LCP MAX. Die Verfügbarkeit schwankt, da Ruger-Produkte in der Schweiz nicht flächendeckend im Sortiment sind.
Beim Kauf einer gebrauchten LCP sollte man einige Punkte beachten. Der Polymerrahmen ist robust, kann aber bei intensivem Gebrauch an den Schlittenführungen Verschleiss zeigen. Die Abzugsfeder sollte geprüft werden, da ein zu leichter oder zu schwerer Abzug auf Verschleiss oder unsachgemässe Modifikation hindeuten kann. Bei der ersten Generation war die Visierung praktisch nicht vorhanden, was beim Schiessen auf dem Stand frustrierend sein kann. Die LCP II hat hier deutlich nachgebessert. Die Magazine sind günstig und zuverlässig, sollten aber auf Verformungen an den Lippen geprüft werden. Ein wichtiger Hinweis: Die LCP verschiesst ausschliesslich .380 ACP und darf nicht mit 9x19mm Munition geladen werden, obwohl beide Kaliber umgangssprachlich als 9mm bezeichnet werden. Verwechslungen sind gefährlich.
Der Rechtsstatus in der Schweiz ist eindeutig: Die Ruger LCP ist eine bewilligungspflichtige Waffe, für deren Erwerb ein Waffenerwerbsschein erforderlich ist. Die üblichen Voraussetzungen für den WES gelten. Es gibt keine besonderen Einschränkungen aufgrund des Kalibers oder der Baugrösse. Die Waffe darf auf bewilligten Schiessständen geschossen werden, und der Transport erfolgt in nicht schussbereitem Zustand auf direktem Weg. Für das Tragen der Waffe in der Öffentlichkeit wäre eine Waffentragbewilligung erforderlich, die in der Schweiz nur unter sehr restriktiven Bedingungen erteilt wird und für die meisten Privatpersonen nicht in Frage kommt.